Als 1956 eine freistehende Plastik zwischen der Pergola und dem Künstlereingang aufgestellt wurde, war Stuttgart in Aufruhr. Dort stand es nun – ein 3,60 Meter hohes, rostiges Etwas aus Gusseisen, durchzogen von Schlitzen, Einbuchtungen und geheimnisvollen Löchern. Ein Werk von Otto Herbert Hajek, der bis 1954 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert hatte.
Und weil Kunst ja dann am spannendsten ist, wenn man nicht genau weiß, was sie will, blühte die Fantasie der Stuttgarter. Das Werk mit dem Titel „Durchbrochene Fläche“ wurde inoffiziell schlicht „Das Ding“ genannt: Die einen sahen darin ein Männer-Quintett, die anderen den Osterhasen mit Eierkorb – wieder andere waren überzeugt, es handele sich um einen Blumenständer mit integrierter Nistmöglichkeit für Vögel. Die Stuttgarter Nachrichten fassten die Spekulationen am 18. August 1956 in einer Karikatur zusammen.
Inzwischen wissen alle: Hajeks Kunstwerk aus Gusseisen, versehen mit Schraffuren, Punktierungen und Bruchstellen, war eine kleine Sensation. Es gehört zu den ersten abstrakten Außenplastiken dieser Größe in Deutschland. Mit seinen „Durchbrüchen“ nimmt es die Fenster der Fassade des Beethoven-Saals auf und schafft so eine Verbindung zwischen Architektur und Kunst.
Doch trotz aller kunsthistorischen Bedeutung dieses herausragenden Zeugnisses der Nachkriegsmoderne bleibt „Das Ding“ bis heute ein Stück Liederhallen-Geschichte – eines, das Stuttgart einst zum Schmunzeln brachte.