Wer heute vor den drei marmornen Musikantenreliefs am Eingang zum Mosaik-Foyer steht, blickt auf das Spätwerk eines Mannes, der die Stuttgarter Bildhauerei über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Alfred Lörcher, 1875 in Stuttgart geboren, begann seinen Weg als Lehrling in der Bronzegießerei Paul Stotz, bevor ihn die Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Karlsruhe und schließlich nach München führte. Dort, im Umfeld Wilhelm von Rümanns, prägte ihn vor allem eine Idee: die von Adolf von Hildebrand geprägte Vorstellung, dass Plastik aus der Klarheit der Form heraus entstehen müsse.
Zurück in Stuttgart wurde Lörcher selbst zum Lehrer – ab 1919 als Professor an der Kunstgewerbeschule, später an der Akademie der Bildenden Künste. Die NS-Zeit unterbrach diesen Weg brutal: 1936 erhielt er Ausstellungsverbot, zwei Jahre später wurde er seines Amtes enthoben. Erst nach dem Krieg konnte er wieder lehren und arbeiten.
Sein bildhauerisches Werk wandelte sich mit den Jahrzehnten. Standen zunächst Bildnisbüsten und Aktfiguren im Zentrum, begann er in den 1930er-Jahren, seine Figuren in Bewegung zu setzen – sie griffen, gingen, verrichteten eine Tätigkeit. In den 1950er-Jahren, als hochbetagter Künstler, steigerte sich dieser Wille noch einmal: Es ging ihm nun darum, den einen, flüchtigen Moment einer Szene einzufangen.
Genau in diese späte Schaffensphase fällt sein Beitrag zur neuen Liederhalle. 1957, kurz nach deren Fertigstellung, schuf der über achtzigjährige Lörcher das Triptychon „Musikanten": drei mannshohe Halbreliefs aus weißem Carraramarmor, die musizierende Figuren in genau jener bewegten, momenthaften Weise zeigen, die sein Spätwerk auszeichnet. Damit reiht er sich ein in den Kreis der Künstler, die unter der künstlerischen Oberleitung von Blasius Spreng dem Neubau sein charakteristisches Gesicht gaben.